Kategorie-Archiv: UNIX Workstations

Iomega ZIP Drive an SUN Sparcstation 5

Für den Anschluss eines Iomega ZIP Drives an meine SUN Sparcstation 5 mit Solaris 7 als Betriebssystem ist ein wenig Handarbeit nötig. Vor allem dann, wenn das Laufwerk in ein Original SUN SCSI Gehäuse (Modell 411) eingebaut werden soll.

Hardware

ZIP Laufwerke mit SCSI Anschluss sind mittlerweile nur noch über Gebrauchwaren-Händler und Online-Auktionshäuser zu bekommen. Preislich sind sie recht günstig, sodass bei alten Systemen ein Einbau lohnt, wenn ein grösserer Wechseldatenträger benötigt wird.

Für das ZIP Laufwerk hatte ich einen alten SCSI Streamer in einem SUN Modell 411 SCSI Gehäuse zur Verfügung. Zum Einbau des Iomega ZIP Laufwerks sind ein paar Kunstgriffe nötig:

  • ZIP Laufwerke sind 3 1/2 Zoll im Einbaumass. Das SUN Gehäuse ist aber ein 5 1/4 Zoll Gehäuse. Es braucht also einen passenden Einbaurahmen mit einer Frontblende (gibt’s auch in Online-Auktionshäusern).
  • Um das Gehäuse zu öffnen, benötigt man einen dünnen Schraubendreher oder einen Drahtstift.
    1. Man stelle das Gehäuse mit der Front nach vorn vor sich hin.
    2. An den Seiten sind links und rechts Lochmuster in den Wandungen.
    3. Man drücke mit dem Schraubendreher an der linken und an der rechten Seite in das 3.Loch von hinten und 3.Loch von oben- dahinter befindet sich eine Arretierung, die den Gehäusedeckel entriegelt.
    4. Er lässt sich dann nach oben und vorn aufklappen. An der Vorderseite sind unten zwei Plastiknasen, die in den unteren Gehäuseteil eingreifen. Daher sollte hier vorsichtig zu Werke gegangen werden.
  • An der Unterseite befindet sich eine Plastiklasche. Diese muss mit einem Schraubendreher ca. 1/2 cm aufgebogen werden. Dann kann das eingebaute Laufwerk nach vorn herausgezogen werden.
  • Der Kontakt zum SCSI ID Wahlschalter ist ein Folienkabel mit angelöteten Jumpern (3x). Es lässt sich durch Unterhaken mit einem Schraubendreher von den Pfostensteckern am Laufwerk lösen.
  • An der Unterseite des Laufwerks ist eine Metallplatte verschraubt. Diese wird abgeschraubt und an das ZIP Laufwerk angeschraubt.
  • Bei meinem Gehäuse war das Flachbandkabel „auf dem Kopf“ montiert, Ader Nr. 1 war an der linken statt der rechten Seite. Das Kabel war auch zu kurz, um es in sich drehen zu können. Man kann jedoch einfach auf der Rückseite die vier Schrauben rechts und links der SCSI Buchsen lösen. Dann kann die Platine mit den Buchsen herausgenommen und gedreht wieder eingebaut werden.

Software

Das Laufwerk musss angeschlossen, eingeschaltet und mit einer Diskette versehen sein.

  • SUN Solaris 7 kann prinzipiell mit den ZIP Laufwerk umgehen, es benötigt lediglich eine Spezifikation des Laufwerks in /etc/format.dat:

    disk_type = "Zip" \
    : ctlr = SCSI\
    : ncyl = 2046 : acyl = 2 : pcyl = 2048 : nhead = 2\
    : nsect = 40 : rpm : bpt = 20480

    partition = "Zip" \
    : disk = "Zip" : ctlr = SCSI \
    : 2 = 0, 192480 : 2 = 0, 1159168

  • Nun ruft man nacheinander die Befehle drvconfig und disks auf, um die Gerätedateien zu erzeugen.
  • Anschliessend ruft man den Befehl format auf:
    • Auswahl des Drives aus dem Plattenmenü, es sollte an der Angabe
      < drive type unknown >
      erkennbar sein. Bei mir ist das Gerätedevice die /dev/dsk/c0t5d0s0

    • Disk type angeben, hier sollte der oben genannte Typ auftauchen („ZIP“).
    • Aus dem format-Menü wird mit „Label“ der Typ für das Laufwerk eingetragen
    • Dann wird eine Partition angelegt (Defaults übernehmen)
    • Dann kann die Partition formattiert („Format“ im Menü) und mit „Volname“ ein Name zugeordnet werden.
  • Dann ist mit newfs /dev/dsk/c0t5d0s0 ein Dateisystem auf dem Datenträger zu erstellen. Das dauert ca. 10 min.
  • Mit mount -F ufs /dev/dsk/c0t5d0s0 /mnt lässt sich die Disk dann nach /mnt mounten
  • Nach umount /mnt kann sie mit eject ausgeworfen werden.

Bereinigungsproxy für das Surfen mit alten Rechnern

Jeff Keacher hat ein Python-Script geschrieben, das als HTTP Proxy arbeitet und Webseiten von allen neueren Tags bereinigt, die Browser auf alten Rechnern nicht verstehen. Das Scrpt lässt sich auf GitHub als ZIP Datei herunterladen. Den aufbereiteten Seiten fehlt zwar meist ein schickes Layout, dafür sind sie schneller geladen und die unbekannten Tags gefährden alte Browser nicht mehr- die stürzen nämlich gern mal ab, wenn sie auf unbekannte Tags stossen.

Hier ist eine kleine Installationsanleitung für den Betrieb auf CentOS:

Script in einem Verzeichnis auspacken:

unzip macproxy-master.zip

Sofern noch nicht geschehen, muss man den Python Installer PIP installieren. Der liegt im EPEL Repository, das ich noch nicht hinzugefügt hatte und daher auch installieren musste:

wget http://mirror-fpt-telecom.fpt.net/fedora/epel/6/i386/epel-release-6-8.noarch.rpm
rpm -ivh epel-release-6-8.noarch.rpm

PIP kriegt man dann mit

yum install python-pip

Mit PIP kann man anhand der Datei requirements.txt aus dem macproxy- Verzeichnis dann die fehlenden Python-Module nachladen:

pip install -r ./requirements.txt

Dann lässt sich der macproxy starten:

python ./proxy.py

Der Proxy läuft auf Port 5000/tcp und lauscht auf allen Interfaces des Linux Servers. Er schreibt jede Menge Logmeldungen nach STDOUT. Für den Dauerbetrieb schiebe ich die ins Datennirvana:

nohup python ./proxy.py > /dev/null 2>&1 &

SUN OS 4.1 Besonderheiten

SunOS 4.1 stammt besitzt einige Besonderheiten, die in der Praxis für Verwirrung und Probleme sorgen. Ich sammle in diesem Artikel meine kleinen Tipps zu diesem Betriebssystem:

  • DNS und NIS

    SunOS 4.1 setzt NIS voraus, damit DNS funktioniert. Auch bei korrekter Konfiguration in /etc/resolv.conf wird DNS nur benutzt, wenn der NIS Server erreichbar ist. Ist NIS nicht verfügbar, wird nur die /etc/hosts Datei zur Namensauflösung genutzt. Eine /etc/nsswitch.conf Datei kann man sich sparen- diesen Mechanismus hat SUN erst mit SunOS 5 eingeführt.
    Alle relevanten Binaries sind gegen eine LIBC kompiliert, die dieses Verhalten zeigt. Eine Lösung liegt im Neukompilieren mit einem besseren DNS Resolver, siehe ftp://ftp.uni-potsdam.de/pub/unix/clients/resolv+2.1.1.tar.Z

  • Netscape 2.x und DNS

    Einige Netscape-Varianten sind bereits statisch gegen den NIS-unabhängigen Resolver gelinkt und nutzen daher die Namensauflösung auch ohne NIS. Netscape 2.02 liegt hier: ftp://ftp.uni-potsdam.de/pub/WWW/clients/netscape/2.02/unix/netscape-v202-export.sparc-sun-sunos4.1.3_U1.tar.gz. Das Archiv enthält das Binary „netscape_dns“ mit einer funktionierenden Namensauflösung.

SunOS 4 ist das Betriebssystem meines RDI Britelite IPX Laptops.

SGI Indy NVRAM Batterie leer

Nach einiger Zeit der Betriebruhe zeigte meine SGI Indy einige merkwürdige Fehler:

  • Die Netzwerkschnittstelle konnte nicht initialisiert werden, stattdessen erschien beim Boot die Meldung Failed to configure ec0
  • Die Indycam liess sich nicht ansteuern, das Video Control Panel war nicht zu starten
  • Programme starteten erst nach längerer Wartezeit
  • Die Tastatureinstellungen sind auf US zurückgestellt.

Die Ursache liegt in der Batteriepufferung des NVRAM. Die Batterie im Dallas Uhrenchip ist nach mittlerweile 20 Jahren einfach leer. Abhilfe schafft das Austauschen des Chips und ein Neuprogrammieren des NVRAM.

Einstellungen

Als Workaround kann zumindest das Netz wieder reaktiviert werden. Die MAC Adresse der Ethernetkarte liegt nämlich ebenfalls im NVRAM. Dazu geht man so vor:

  • System starten
  • „Configuration mode“ auswählen
  • im Menü „Command Monitor“ auswählen
  • das Kommando

    setenv -f eaddr 08:00:69:nn:nn:nn

    absetzen, wobei nn:nn:nn für die Seriennummer der Indy steht. Meist ist ein entsprechender Aufkleber auf der Rückseite angebracht.

  • Command Monitor schliessen und das System über das Menü starten

Jetzt sollte das Netz wieder gehen. Die Einstellungen bleiben aber nicht erhalten, weil das NVRAM ja keinen Strom mehr hat.

Chip wechseln

Sollen die Einstellungen dauerhaft sein, muss man den NVRAM Chip wechseln, denn ähnlich wie bei anderen Workstations und anderes als bei PCs oder Macintosh Systemen verfügt die Indy nicht über eine wechselbare Batterie. Stattdessen benötigt man einen Dallas DS1386-8K-150 RAMified Timekeeper 9532E 064885 Baustein. Bei eBay hat man oft Glück, einen passenden Chip zu finden. Bei mir kam er aus Hongkong für ca. 10 EUR und wurde nach 2 Wochen geliefert.

Nach Öffnen des Gehäuses (Netzstecker ziehen!) sieht man den Chip gleich vor den Festplatten und rechts neben der Strombuchse der Platten. Zum Wechseln sollte man den Stromstecker der Platten abziehen, um etwas mehr Platz zu haben. Mit einem umgebogenen Schraubendreher kann man dann versuchen, den Chip ein wenig anzuhebeln, zwischen Chip und DIL Fassung zu kommen und dann den Chip ganz herauszuhebeln. Aber Vorsicht: niemals mit Gewalt am Chip ziehen, sonst reisst man die Fassung aus der Platine und hat im schlimmsten Fall Totoalschaden. Der neue Chip wird dann vorsichtig in die Fassung gesteckt (Orientierung beachten!) und ohne zu verkanten eingedrückt, am besten schrittweise und unter Kontrolle von der Seite. Einen falsch eingesteckten Chip wird man ohne Verbiegen der Beinchen nicht wieder entfernen können- der erste Versuch muss also gelingen!

Ist alles gut gegange, startet die Indy wieder, die LED wird grün und man kann wie oben beschrieben die MAC Adresse setzen. Dann sollte man einmal mit init die Indy neu starten und mit printenv nachsehen, ob die Einstellungen noch vorhanden sind. Wenn ja, kann man die Indy mit off ausschalten, 1-2 min. warten und nochmals nachschauen. Ist dann die Adresse noch vorhanden, ist die Aktion geglückt.

Sicherheitshalber: Alle Angaben ohne Gewähr, Wiederholung auf eigenes Risiko!